{"id":175,"date":"2015-02-01T18:59:35","date_gmt":"2015-02-01T17:59:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.vonbechen.de\/Peter\/?p=175"},"modified":"2015-02-15T09:57:31","modified_gmt":"2015-02-15T08:57:31","slug":"44-tage-blue-tiger-radio","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.vonbechen.de\/Peter\/2015\/02\/01\/44-tage-blue-tiger-radio\/","title":{"rendered":"44 Tage \u201eBlue Tiger Radio\u201c"},"content":{"rendered":"<p><strong>M\u00fcnchener Piratensender in den 1960er-Jahren<\/strong><\/p>\n<p><strong>Obwohl in Deutschland der Betrieb von Radiosendern schon seit seiner Fr\u00fchzeit gesetzlich streng reguliert war, gab es auch immer wieder Zeitgenossen, die sich \u00fcber die einschl\u00e4gigen Vorschriften hinwegsetzen und aus unterschiedlichen Motivationen illegal \u201ein die Luft\u201c gingen. In den 1960er-Jahren hatten Piratensender Hochkonjunktur und nat\u00fcrlich auch die Peiltrupps des FTZ. Der Autor sprach mit einem damaligen M\u00fcnchener \u201ePiratenfunker\u201c.<\/strong><br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p>M\u00fcnchen in den 1960er-Jahren: Das Musik- und Unterhaltungsprogramm des Bayerischen Rundfunks entsprach zum \u00fcberwiegenden Teil ganz und gar nicht dem Geschmack der Jugend, die eher auf Pop- und Rockmusik von Beatles, Rolling Stones und Co. stand. Alternativen zum \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunk gab es damals kaum \u2013 au\u00dfer den Sendern der Besatzungstruppen (\u201eAFN\u201c der amerikanischen oder in NRW \u201eBFBS\u201c der britischen Armee). Private Rundfunkanbieter wurden erst viel sp\u00e4ter zugelassen.<\/p>\n<p><strong>Beatles statt Jodelmusik<\/strong><br \/>\nKein Wunder, dass in dieser Zeit immer wieder junge Leute auf die Idee kamen, mit eigener Technik und einem nach eigenem Geschmack zusammengestellten Programm auf Sendung zu gehen. Klaus-Peter Schulze, Jahrgang 1952, und seine drei Klassenkameraden Peter, Donald und Harald aus dem n\u00f6rdlichen M\u00fcnchener Stadtteil Moosach geh\u00f6rten zu den seinerzeit nicht wenigen \u201eFunkpiraten\u201c, die diese Idee in die Tat umsetzten. Es war nicht schwer, die n\u00f6tigen technischen Fachkenntnisse zu erwerben. Schulze hatte bei der Bundespost gerade eine Lehre als Fernmeldetechniker begonnen. Das reichte allerdings noch nicht, um einen funktionierenden Sender zu bauen. \u201eIch hatte schon ein paar Jahre vorher Interesse an Elektronik und habe als Elfj\u00e4hriger bereits Radios gebastelt. Das n\u00f6tige Wissen \u00fcber Radio- und Hochfrequenztechnik stammte aus den B\u00fcchern von Heinz Richter, Werner W. Diefenbach, Karl Schulthei\u00df, Hans Sutaner (der eigentlich \u201eRenatus\u201c hie\u00df) und den anderen damals popul\u00e4ren Autoren der Radiotechnik-B\u00fccher, die ich mir in der Stadtb\u00fccherei ausgeliehen hatte\u201c, erz\u00e4hlt Schulze. Die erforderlichen Bauteile gab es in M\u00fcnchen am Marienplatz bei Radio Holzinger (heute ist hier eine Filiale der Deutschen Bank). \u201eIm ersten Stock gab es alles, was das Herz des Radiobastlers h\u00f6her schlagen lie\u00df: Kondensatoren, Widerst\u00e4nde, Trafos, Drehkondensatoren. Und das alles zu g\u00fcnstigen Preisen. Mein Taschengeld war ja schlie\u00dflich nur sehr knapp bemessen.\u201c Bei Radio RIM am Hauptbahnhof hat Schulze nicht so gerne eingekauft. \u201eDas war damals der teurere Laden. Und die Verk\u00e4ufer haben immer so ,gscheit\u00b4 getan.\u201c<br \/>\n<div id=\"attachment_185\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.vonbechen.de\/Peter\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/Piraten_1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-185\" src=\"http:\/\/www.vonbechen.de\/Peter\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/Piraten_1-300x121.jpg\" alt=\"Bild 1. Das Moosacher Sendepiratenquartett 1968: ganz links Klaus-Peter Schulze (mit Kopfh\u00f6rer und einer 807 in der Hand, die heute in seinem KW-Sender noch ihren Dienst verrichtet), daneben Peter, Donald und Harald. Zu seinen damaligen Freunden hat Schulze heute keine Verbindung mehr und kann \u00fcber sie auch leider nichts mehr berichten.  (Ausriss aus BRAVO vom 15. April 1968 [1] \u00a9 Bauer Media Group)\" width=\"300\" height=\"121\" class=\"size-medium wp-image-185\" srcset=\"http:\/\/www.vonbechen.de\/Peter\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/Piraten_1-300x121.jpg 300w, http:\/\/www.vonbechen.de\/Peter\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/Piraten_1-1024x414.jpg 1024w, http:\/\/www.vonbechen.de\/Peter\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/Piraten_1-500x202.jpg 500w, http:\/\/www.vonbechen.de\/Peter\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/Piraten_1.jpg 1784w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-185\" class=\"wp-caption-text\">Bild 1. Das Moosacher Sendepiratenquartett 1968: ganz links Klaus-Peter Schulze (mit Kopfh\u00f6rer und einer 807 in der Hand, die heute in seinem KW-Sender noch ihren Dienst verrichtet), daneben Peter, Donald und Harald. Zu seinen damaligen Freunden hat Schulze heute keine Verbindung mehr und kann \u00fcber sie auch leider nichts mehr berichten.<br \/>(Ausriss aus BRAVO vom 15. April 1968 \u00a9 Bauer Media Group [1])<\/p><\/div><br \/>\n<strong>1 Watt HF-Leistung auf der Antenne<\/strong><br \/>\nAnfang Februar 1968 war der Sender fertig. Der bestand aus einem freilaufenden Oszillator mit EC92 und einer HF-Endstufe mit EL84, die etwa 1 Watt HF-Leistung auf die Antenne brachte. Das ganze war auf ein offenes U-f\u00f6rmig gebogenes Aluminiumchassis von etwa 20 cm L\u00e4nge montiert. Moduliert wurde der Oszillator mit der NF auf einer Kapazit\u00e4tsdiode im frequenzbestimmenden Kreis des Steuersenders. \u201eDas lief alles erstaunlich stabil, und die Qualit\u00e4t der Modulation war ausgezeichnet.\u201c Als Antenne diente eine Fernsehantenne f\u00fcr Band I, deren Elemente verk\u00fcrzt wurden, um sie an die Sendefrequenz von 101,5 MHz anzupassen. \u201eDie Abstimmung der Endstufe auf die Antenne erfolgte ganz klassisch mit der L\u00e4mpchen-Methode.\u201c Die Reichweite das Senders kontrollierte das Quartett, in dem man das Stadtgebiet mit einem Kofferradio \u201eabklapperte\u201c. \u201eUnser ,Radio Moosach\u00b4 war eigentlich \u00fcberall in der Stadt gut zu empfangen. Die Post behauptete sp\u00e4ter, dass wir manchmal sogar bis Augsburg zu h\u00f6ren waren.\u201c<\/p>\n<p><strong>44 Tage \u201eOn Air\u201c<\/strong><br \/>\nAm 3. Februar 1968, um Punkt 17 Uhr startete das Piratenprogramm, die erste Platte, die aufgelegt wurde, war \u201eMagical Mystery Tour\u201c von den Beatles. Von da an war der Sender in Schulzes Wohnung im dritten Stock der Bautzener Stra\u00dfe 6 c regelm\u00e4\u00dfig \u201eOn Air\u201c. \u201eMeine Mutter hatte nat\u00fcrlich keine Ahnung, was wir da so trieben.\u201c Weil ihr Sohn und seine Kameraden seit Jahren an Radios bastelten, kam sie auch nicht auf die Idee, dass im Jungenzimmer eine illegale Sendestation betrieben wurde. Jeder der vier damals 15 und 16 Jahre alten Funkpiraten hatte seine Aufgaben: Klaus-Peter, genannt \u201ePete\u201c fungierte als Chef sowie Intendant, Peter und Harald waren die Disk-Jockeys, Donald, genannt \u201eDuck\u201c, arbeitete als Techniker. 44 Tage sendeten sie t\u00e4glich drei bis f\u00fcnf Stunden Beatmusik, aber auch popul\u00e4rwissenschaftliche Vortr\u00e4ge \u00fcber radioaktive Strahlen und Geigerz\u00e4hler. \u201eDas fand aber beim Publikum keinen gro\u00dfen Anklang\u201c, gibt Schulze heute zu. \u201eBeliebt war dagegen unsere Hitparade am Samstag Abend, f\u00fcr deren Platzierungen wir unsere Freunde und Arbeitskollegen befragt haben.\u201c Das Quartett wechselte sich bei der Moderation ab, und man meldete sich unter den Stationsnamen \u201eBlue Tiger\u201c, \u201eJolly Roger\u201c \u201ePiratensender Moosach\u201c und \u201eThe Fantastic Radio Station GOMA\u201c. <\/p>\n<p><strong>Endg\u00fcltiger Sendeschluss um 20:46 Uhr<\/strong><br \/>\nDas Ende der \u201ePiratenwelle\u201c aus Moosach kam am 18. M\u00e4rz 1968 um 20:46 Uhr. Man sendete gerade \u201eTin Soldier\u201c von den Small Faces, als es an Schulzes Wohnungst\u00fcre klingelte. Die Mutter \u00f6ffnete. Zwei Herren des Messdienstes der Post sowie zwei Polizisten standen vor der T\u00fcre. \u201eSie woll\u00b4n bestimmt mit meinem Buam reden, der bastelt grad mit seinen Freunden in seinem Zimmer\u201c, sagte die Mutter und zeigte auf die T\u00fcre mit dem Pappschild \u201eUnbefugten Zutritt streng verboten\u201c. Die Herren traten trotzdem ein und ertappten das Quartett in Flagranti, das gerade dabei war, ein Tonband mit dem Mitschnitt der aktuellen Fernsehsendung \u201eBeatclub\u201c einzulegen, um es der Fangemeinde zu Geh\u00f6r zu bringen. Statt Beatmusik\u00fcbertragung trat sofortige Funkstille bei \u201eRadio Moosach\u201c ein. Die Ordnungsh\u00fcter beschlagnahmten Sender, Verst\u00e4rker, Plattenspieler und Schulzes 62 Schallplatten. \u201eDer Verlust der Schallplatten hat mich damals am schwersten getroffen\u201c, meint Schulze noch heute. Nach etwa vier Jahren bekam er die Anfrage, ob er seinen Sender oder seine Platten zur\u00fcck haben m\u00f6chte. \u201eNat\u00fcrlich habe ich die Platten gew\u00e4hlt. Einen Sender h\u00e4tte ich ja problemlos jederzeit neu bauen k\u00f6nnen.\u201c<br \/>\n\u201eIch bezweifle, dass die Postler unseren Sender direkt angepeilt hatten, denn das ist in dicht bebautem Gel\u00e4nde nicht ganz einfach\u201c, vermutet Schulze. \u201eWahrscheinlich hat ein Funkamateur aus der Nachbarschaft einen Tipp gegeben.\u201c Der stand zusammen mit dem Funkmessdienst und den Polizisten am 18. M\u00e4rz auch vor der T\u00fcre. \u201eDie Postler und Polizisten waren erstaunt, ja nach meinem Eindruck sogar ein wenig dar\u00fcber am\u00fcsiert, dass sie keine professionelle Sendercrew, sondern uns vier Buben vorfanden\u201c.<\/p>\n<p><strong>Gro\u00dfes Medienecho<\/strong><br \/>\nDas Medienecho in den folgenden Tagen war \u00fcberw\u00e4ltigend: Alle gro\u00dfen Tages- und Boulevard-Zeitungen in der Region M\u00fcnchen, von der \u201eS\u00fcddeutschen Zeitung\u201c bis zur \u201eBild-Zeitung\u201c [2 &#8230; 6], berichteten \u00fcber den Piratensender, und das Jugendmagazin \u201eBRAVO\u201c brachte in der Ausgabe vom 15. April 1968 sogar eine gr\u00f6\u00dfere Reportage \u00fcber die vier Funkpiraten [1]. Auch der \u00f6ffentlich-rechtliche Rundfunk interessierte sich f\u00fcr die Funkpiraten: Der Bayerische Rundfunk lud das Quartett als G\u00e4ste in die Jugendsendung \u201ePop-Shop\u201c ein, die am 23. M\u00e4rz 1969 ausgestrahlt wurde. Hier wurden Aufzeichnungen mit Ausschnitten aus den Moosacher Piratensendungen abgespielt und das Publikum belehrt, dass es nicht m\u00f6glich sei, dass jeder einfach einen Sender betreiben kann. Au\u00dferdem zeigte man den vier Piratenfunkern bei einem Rundgang durch das Funkhaus \u201ewie man eine richtige, ordentliche Sendung macht\u201c, so der damalige BR-Jungendfunk-Redakteur R\u00fcdiger Stolze [7].<\/p>\n<p><strong>Verfahren wegen Geringf\u00fcgigkeit eingestellt<\/strong><br \/>\nKein Medium berichtete damals dar\u00fcber, wie es in der Geschichte weiterging. \u201eEin paar Wochen sp\u00e4ter gab es eine Verhandlung vor dem Jugendgericht wegen Versto\u00dfes gegen das Fernmeldeanlagengesetz (FAG). Meine Mutter hat w\u00e4hrend der gesamten Verhandlung im Gerichtssaal herzzerrei\u00dfend geheult. Das hat den Richter wohl irgendwie beeindruckt\u201c, so Schulze. \u201eIch hatte den Eindruck, dass er au\u00dferdem der Meinung war, dass man den technischen Forschungsdrang junger Leute, wie wir es waren, nicht bestrafen, sondern eher f\u00f6rdern solle.\u201c Das Verfahren wurde kurzerhand wegen Geringf\u00fcgigkeit eingestellt. Schlie\u00dflich war ja niemand gesch\u00e4digt worden. \u201eDie Behauptung, dass unser Sender den Flugfunk oder den Funkverkehr von Polizei, Feuerwehr oder Rettungskr\u00e4ften gest\u00f6rt haben k\u00f6nnte, erwies sich als v\u00f6lliger Unsinn. Unser Sender war trotz einfacher Bauweise frequenzstabil und strahlte keine unerw\u00fcnschten Harmonischen ab.\u201c<\/p>\n<p><strong>Hobby wurde zum Beruf<\/strong><br \/>\nNach Abschluss der Geschichte k\u00fcndigte Schulze seine Lehrstelle bei der Post. \u201eIch wurde nicht, wie berichtet, wegen der Schwarzfunkerei von der Post rausgeschmissen. Mir ist damals klar geworden, dass ich den Rest meines Lebens nicht in Erdl\u00f6chern verbringen wollte, wo ich Kabel splei\u00dfen und Muffen verl\u00f6ten m\u00fcsste. Es war mein Wunsch, irgendetwas mit Hochfrequenztechnik zu machen.\u201c Schulze begann eine Radio- und Fernsehtechniker-Lehre beim Fernsehgesch\u00e4ft Schubert in Schwabing. Nach Abschluss der Ausbildung war er noch eine kurze Zeit bei Quelle im Kundendienst besch\u00e4ftigt und wurde danach zur Bundeswehr eingezogen. Auch hier hatte er mit Funktechnik zu tun: Er verbrachte vier Jahre als Zeitsoldat an verschiedenen Standorten mit der Wartung von milit\u00e4rischen Funkger\u00e4ten und Funkfernschreibeinrichtungen.<br \/>\n<div id=\"attachment_186\" style=\"width: 2058px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.vonbechen.de\/Peter\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/Piraten_2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-186\" src=\"http:\/\/www.vonbechen.de\/Peter\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/Piraten_2.jpg\" alt=\"Bild 2. Klaus-Peter Schulze OE7PSH heute vor seiner Amateurfunkstation: \u201eDie Sucht nach allem, was HF ausstrahlt, hat mich nicht mehr losgelassen...\u201c. Vielleicht hat er seinen Sohn auch schon damit infiziert. (Bild: K.-P. Schulze)\" width=\"2048\" height=\"1536\" class=\"size-full wp-image-186\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-186\" class=\"wp-caption-text\">Bild 2. Klaus-Peter Schulze OE7PSH heute vor seiner Amateurfunkstation: \u201eDie Sucht nach allem, was HF ausstrahlt, hat mich nicht mehr losgelassen&#8230;\u201c. Vielleicht hat er seinen Sohn auch schon damit infiziert. (Bild: K.-P. Schulze)<\/p><\/div><br \/>\nInzwischen war Schulze auch wieder \u201eauf Sendung\u201c, diesmal aber ganz legal, denn 1974 hat er die Pr\u00fcfung als Amateurfunker abgelegt und war unter dem Rufzeichen DG1MQ qrv.<br \/>\nNach der Zeit beim \u201eBund\u201c studierte Schulze an der FH M\u00fcnchen Elektrotechnik, Fachrichtung Nachrichtentechnik, die er 1982 als junger Ingenieur verlie\u00df, um seine berufliche Karriere beim M\u00fcnchener Sender der \u201eVoice of America\u201c im technischen Dienst zu beginnen, wo er am Standort Ismaning 19 Jahre arbeitete. Nach der politischen Wende 1989 wurde beschlossen, den Sender von M\u00fcnchen nach Prag zu verlegen, und Schulze suchte sich ein neues Bet\u00e4tigungsfeld im technischen Betrieb \u201eim Power-Bereich\u201c einer anderen \u00f6ffentlich-rechtlichen Sendeanstalt. Heute lebt er in \u00d6sterreich und ist auf den Amateurfrequenzen unter dem Rufzeichen OE7PSH anzutreffen. \u201eNat\u00fcrlich mit selbstgebauten Ger\u00e4ten und in CW\u201c.<br \/>\nAn seine Vergangenheit als Funkpirat erinnert sich Klaus-Peter Schulze heute mit einem Schmunzeln. \u201eJa, die Sucht nach allem, was Hochfrequenz ausstrahlt, hat mich seit dem bis heute nicht losgelassen&#8230;\u201c<\/p>\n<p><strong>Quellen<\/strong><br \/>\n[1] o. V.: Beat-Funkstille. BRAVO Nr. 16 vom 15. April 1968, Seiten 25 \u2013 28.<br \/>\n[2] Doenike, U.: \u201eRadio Moosach\u201c schweigt. Piratensender ausgehoben. Abendzeitung, M\u00fcnchen vom 20.03.1968.<br \/>\n[3] o. V.: Piratensender \u201eBlue Tiger\u201c verstummt. S\u00fcddeutsche Zeitung vom 20.03.1968.<br \/>\n[4] Mahkorn, R.: Piratensender \u201eBlue Tiger\u201c schweigt. Bild M\u00fcnchen vom 20.03.1968.<br \/>\n[5] o. V.: Jagt auf den \u201eblauen Tiger\u201c. M\u00fcnchner Merkur vom 20.03.1968.<br \/>\n[6] o. V. Postlehrling als Sendeleiter. Schrobenhausener Zeitung (Donau-Kurier) vom 20.03.1968.<br \/>\n[7] o. V.: Jugendfunk: \u00c4therpiraten zu Gast im \u201ePop-Shop\u201c. Abendzeitung, M\u00fcnchen vom 23.03.1968.<\/p>\n<p>Autor: Peter von Bechen<br \/>\nDer Beitrag wurde erstmals ver\u00f6ffentlicht in der Zeitschrift \u201eFunkgeschichte\u201c Nr. 203 (2012), Publikation der GFGF e. V. (<a href=\"http:\/\/www.gfgf.org\" title=\"www.gfgf.org\">www.gfgf.org<\/a>), Seiten 82 \u2013 87. Diese Zeitschrift ist nur im Rahmen der GFGF-Mitgliedschaft zu beziehen.<\/p>\n<blockquote><p>\n<strong>Piratensender: Die Gesetzeslage gestern und heute<\/strong><br \/>\nDas seit 1928 g\u00fcltige \u201eGesetz \u00fcber Fernmeldeanlagen\u201c oder kurz \u201eFAG\u201c regelte bis 1997 den Funkbetrieb. Nach diesem Gesetz hatte in Deutschland der Bund die ausschlie\u00dfliche Fernmeldehoheit (\u00a71). Das Recht, eine Fernmeldeanlage zu betreiben, konnte nur von der Beh\u00f6rde verliehen werden (\u00a72). Funkamateure bildeten hier eine Ausnahme, denn sie haben auf Grund des Amateurfunkgesetzes ein Recht auf Zuteilung einer Genehmigung, wenn sie die gesetzlichen Voraussetzungen erf\u00fcllen (Ablegen einer Pr\u00fcfung, die technische, betriebliche und gesetzliche Kenntnisse nachweist). Wer ohne Genehmigung eine Funkanlage betrieb, machte sich nach \u00a715 FAG strafbar, auch der Versuch wurde bereits bestraft. Das Strafma\u00df konnte bis zu f\u00fcnf Jahren Freiheitsentzug betragen. Illegale Funkanlagen wurden grunds\u00e4tzlich eingezogen.<br \/>\nAb 1995 wurde diese Vorschrift im \u201ePostneuordnungsgesetz\u201c etwas gelockert. Strafbar machte man sich nur, wenn mit dem Betrieb eines Schwarzsenders Leib und Leben eines anderen oder bedeutende Sachwerte gesch\u00e4digt oder gef\u00e4hrdet wurden.<br \/>\nDas 1998 in Kraft getretene und heute g\u00fcltige \u201eTelekommunikationsgesetz\u201c oder kurz \u201eTKG\u201c l\u00f6ste das \u201eFAG\u201c ab, damit existiert \u00a715 FAG nicht mehr. \u201eSchwarzsenden\u201c ist im FAG nicht mehr ausdr\u00fccklich erw\u00e4hnt. Heute werden die Frequenzen von der Bundesnetzagentur an die jeweiligen Nutzer vergeben. Wer auf einer nicht zugeteilten Frequenz sendet, begeht eine Ordnungswidrigkeit, die mit Geldstrafe geahndet werden kann. Ausdr\u00fccklich verboten und damit Straftaten sind dagegen die Verletzung des Fernmeldegeheimnisses, also das unbefugte Abh\u00f6ren von Nachrichten und die Weitergabe der Inhalte an Dritte, sowie der \u201eLauschangriff\u201c auf die Privatsph\u00e4re mit kleinen Sendern, auch \u201eMinispione\u201c oder \u201eWanzen\u201c genannt. Hierbei werden vom Grundgesetz garantierten Pers\u00f6nlichkeitsrechte in erheblichem Ma\u00dfe verletzt.<\/p>\n<p><strong>Schwarzsender heute eher selten<\/strong><br \/>\nNach Auskunft der Bundesnetzagentur ist im Vergleich zu der Zeit zwischen 1960 und Ende der 1980er-Jahre die Zahl der aufgedeckten F\u00e4lle von Schwarzfunkerei heute deutlich geringer. Ab und zu gibt es wohl noch Schwarzsender im UKW-Bereich; auf den anderen Frequenzen (MW und KW) sind sie sehr selten geworden. Der wichtigste Grund ist wohl, dass den Leuten, die ihre Botschaften verbreiten wollen, heute mit dem Internet ein leichter zu nutzendes Medium zur Verf\u00fcgung steht.<br \/>\nViel h\u00e4ufiger sp\u00fcren die Funkpeiltrupps Sender auf, die mehr oder weniger unbeabsichtigt auf Frequenzen arbeiten, die anderen Nutzern zugeteilt sind. Das k\u00f6nnen Ger\u00e4te sein, die in Deutschland nicht zul\u00e4ssig sind oder auf Grund eines technischen Defektes oder unzul\u00e4ssiger Manipulation auf der falschen Frequenz senden.<br \/>\nGrunds\u00e4tzlich m\u00fcssen alle in Deutschland betriebenen Sendeger\u00e4te ein CE-Zeichen tragen, sonst sind sie unzul\u00e4ssig und k\u00f6nnen von der Bundesnetzagentur eingezogen werden. Einzige Ausnahme sind selbstgebaute Ger\u00e4te lizenzierter Funkamateure, die nat\u00fcrlich strenge Vorgaben bez\u00fcglich maximaler Ausgangsleistung, Einhalten der Frequenzbereiche, minimaler Oberwellenabstrahlung und zul\u00e4ssiger EMV-Belastung einhalten m\u00fcssen.<br \/>\nHeute werden die Funkfrequenzen nicht fl\u00e4chendeckend \u00fcberwacht. Die Funkmesstrupps der Bundesnetzagentur werden nur dann aktiv, wenn beispielsweise Nutzer zugewiesener Frequenzen St\u00f6rungen ihrer Dienste melden oder sich Rundfunkteilnehmer \u00fcber gest\u00f6rten Empfang beschweren.<br \/>\nWenn ein illegaler Nutzer auf einer nicht zugewiesenen Frequenz erwischt wird, kann diese Ordnungswidrigkeit mit einer Geldstrafe geahndet werden, deren H\u00f6he von der Schwere des Einzelfalls abh\u00e4ngt (absichtlich, fahrl\u00e4ssig, wurden andere Dienste gest\u00f6rt?, wurden Gefahren f\u00fcr Leib und Leben oder an Verm\u00f6genswerten Dritter verursacht?). Neben einer Ordnungsstrafe, die durchaus bis zu einigen Tausend Euro betragen kann, sind unter Umst\u00e4nden auch Schadensersatzanspr\u00fcche Dritter zu erwarten. Auch der Aufwand, den die Bundesnetzagentur bei Aufsp\u00fcren des illegalen Senders hatte, kann in Rechnung gestellt werden.<br \/>\nAuch ein anderer Punkt in Zusammenhang mit Piratenfunk kann teuer werden: Wenn man urheberrechtlich gesch\u00fctzte Werke per Funk verbreitet, z. B. Musikkonserven wie Mitschnitte von Sendungen, Schallplatten, CDs, MP3-Musik usw., tritt die GEMA auf den Plan. Die kassiert nicht unerhebliche Betr\u00e4ge, auf die noch ein Aufschlag f\u00e4llig sein kann, wenn die \u00f6ffentliche Verbreitung vorher nicht ordnungsgem\u00e4\u00df angemeldet war. <\/p>\n<p><strong>Piraten ohne Grenzen<\/strong><br \/>\nNicht ganz leicht haben es die Funkmesstrupps im nordwestlichen Grenzgebiet Deutschlands. Niederl\u00e4ndische Beh\u00f6rden sind wesentlich liberaler, was das Schwarzsenden angeht. Deshalb geh\u00f6rt Piratenfunk bei unseren Nachbarn wohl zu den beliebten Besch\u00e4ftigungen. Solange sich niemand gest\u00f6rt f\u00fchlt, werden staatliche Aufsichtsbeh\u00f6rden offensichtlich nicht aktiv. Und weil Funkwellen bekannterma\u00dfen vor nationalen Grenzen keinen Halt machen, aber die Bundesnetzagentur nur auf deutschem Territorium aktiv werden kann, ist sie gegen Piratensender in den Niederlanden machtlos.<br \/>\n<strong><br \/>\nWeiterf\u00fchrende Literatur<\/strong><br \/>\nZum Thema Schwarz- und Piratensender gibt es umfangreiche Literatur. Hier eine kleine Auswahl:<br \/>\nRoth, W.-D.: Piratensender. Geschichte und Praxis. VTH-Verlag, Baden-Baden, 2004. ISBN 3-88180-637-7<br \/>\nWahl, G.: Piratensender &#038; Zubeh\u00f6r. Funktion und Technik von Schwarzsendern. Franzis-Verlag, Poing, 2003, ISBN 3-7723-5597-8<br \/>\nSch\u00fcler, W.: &#8230;F\u00fcnf&#8230;Vier&#8230;Ruft&#8230;Monitor. Hinter den Kulissen der deutschen Funk\u00fcberwachung. Franzis-Verlag, Poing, 1999. ISBN 3-7723-5814-4<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>M\u00fcnchener Piratensender in den 1960er-Jahren Obwohl in Deutschland der Betrieb von Radiosendern schon seit seiner Fr\u00fchzeit gesetzlich streng reguliert war, gab es auch immer wieder Zeitgenossen, die sich \u00fcber die einschl\u00e4gigen Vorschriften hinwegsetzen und aus unterschiedlichen Motivationen illegal \u201ein die &hellip; <a href=\"http:\/\/www.vonbechen.de\/Peter\/2015\/02\/01\/44-tage-blue-tiger-radio\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":189,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[],"class_list":["post-175","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-radio"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.vonbechen.de\/Peter\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/175","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.vonbechen.de\/Peter\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.vonbechen.de\/Peter\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.vonbechen.de\/Peter\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.vonbechen.de\/Peter\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=175"}],"version-history":[{"count":9,"href":"http:\/\/www.vonbechen.de\/Peter\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/175\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":196,"href":"http:\/\/www.vonbechen.de\/Peter\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/175\/revisions\/196"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.vonbechen.de\/Peter\/wp-json\/wp\/v2\/media\/189"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.vonbechen.de\/Peter\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=175"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.vonbechen.de\/Peter\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=175"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.vonbechen.de\/Peter\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=175"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}