{"id":67,"date":"2014-03-16T18:06:24","date_gmt":"2014-03-16T17:06:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.vonbechen.de\/Peter\/?p=67"},"modified":"2014-03-16T22:04:01","modified_gmt":"2014-03-16T21:04:01","slug":"die-wahre-geschichte-des-drehkondensators","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.vonbechen.de\/Peter\/2014\/03\/16\/die-wahre-geschichte-des-drehkondensators\/","title":{"rendered":"Die wahre Geschichte des Drehkondensators"},"content":{"rendered":"<p><strong>Der Beitrag Dr. Adolf Koepsels zur Entwicklung der Funktechnik<\/strong><\/p>\n<p><strong>Beim Durchst\u00f6bern historischer Radioliteratur stie\u00df der Autor auf eine Notiz in der Funk-Technik 8\/1951 [1], die als Zeitpunkt f\u00fcr die Erfindung des Drehkondensators das Jahr 1901 nennt. Danach sollte Dr. Adolf Koepsel im Privatlaboratorium von Wilhelm von Siemens in Berlin dieses f\u00fcr die Funktechnik so wichtige Bauelement erstmals gebaut haben. Auch andere Quellen bezeichnen Koepsel als \u201eVater des Drehkondensators\u201c. Das entspricht jedoch nicht den Tatsachen, was die Verdienste Koepsels um die Entwicklung der Funktechnik allerdings nicht schm\u00e4lern sollte.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Nach gr\u00fcndlichen Recherchen zeigte sich, dass die meisten Chronisten in dieser Angelegenheit irrten und anschlie\u00dfend schlicht die falschen Informationen voneinander abgeschrieben haben. Tats\u00e4chlich ist Dr. Koepsel nicht der Erfinder des Drehkondensators, und das in [1] erw\u00e4hnte im Deutschen Museum befindliche Exemplar d\u00fcrfte auch nicht der \u201eerste Drehkondesator\u201c sein. Eine Anordnung, die wir heute als Drehkondensator bezeichnen w\u00fcrden, wurde n\u00e4mlich fast ein Jahrzehnt vor Koepsels angeblicher Erfindung patentiert. Koepsels Verdienste um die Entwicklung der Funktechnik sollten dadurch keineswegs geschm\u00e4lert werden. Er hat sich mit der konstruktiven Weiterentwicklung des Drehkondensators besch\u00e4ftigt und diesen erfolgreich zur Frequenzabstimmung in einem Schwingkreis verwendet. Nach den vorliegenden Unterlagen war das Anfang 1902. Seit dem gibt es die Drehkondensator-Abstimmung, wie sie in Millionen Radios oder Funkger\u00e4ten zu finden ist. Auch wenn inzwischen mechanische Drehkondensatoren von Kapazit\u00e4tsdioden abgel\u00f6st wurden \u2013 das Prinzip bleibt bis heute unver\u00e4ndert.<\/p>\n<p><strong>1892: Die Erfindung des Drehkondensators<\/strong><\/p>\n<p>Unter der Nr. 72447 wurde das Patent f\u00fcr einen \u201eElectrischen Kondensator mit durch Lage\u00e4nderung der Platten mit ver\u00e4nderlicher Capacit\u00e4t\u201c am 8. Juni 1892, also etwa ein Jahrzehnt vor der angeblichen \u201eErfindung\u201c K\u00f6psels, vom Kaiserlichen Patentamt in Berlin dem Franzosen Desidier Korda erteilt. In der Patentschrift [2] heisst es: \u201eDer Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist ein elektrischer Kondensator dessen Belegungen, von einem fl\u00fcssigen Isolator (Dielektrikum) umgeben, so einander gegen\u00fcbergestellt, da\u00df die Kapazit\u00e4t einen beliebigen Werth annehmen kann.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_75\" style=\"width: 218px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.vonbechen.de\/Peter\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/BILD1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-75\" class=\"size-medium wp-image-75\" alt=\"Bild 1. Patentierte Anordnung Desider Kordas von 1892 [1]. Die mit \u201cFig 1.\u201d bezeichnete Anordnung ist der Drehkondensator.\" src=\"http:\/\/www.vonbechen.de\/Peter\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/BILD1-208x300.jpg\" width=\"208\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.vonbechen.de\/Peter\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/BILD1-208x300.jpg 208w, http:\/\/www.vonbechen.de\/Peter\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/BILD1-712x1024.jpg 712w, http:\/\/www.vonbechen.de\/Peter\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/BILD1.jpg 1754w\" sizes=\"auto, (max-width: 208px) 100vw, 208px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-75\" class=\"wp-caption-text\">Bild 1. Patentierte Anordnung Desider Kordas von 1892 [1]. Die mit \u201cFig 1.\u201d bezeichnete Anordnung ist der Drehkondensator.<\/p><\/div>\n<p>Der Patentanspruch bezog sich auf folgende Anordnung (Bild 1): \u201eEin elektrischer Kondensator aus parallel zu einander angeordneten, halbkreisf\u00f6rmig gestalteten Plattenpaaren (Belegungen), wovon die H\u00e4lfte, unter sich verbunden, an einer drehbar gelagerten Achse befestigt ist, w\u00e4hrend die andere H\u00e4lfte der Belegungen feststeht, aber ebenfalls untereinander leitend verbunden ist, umgeben von einem fl\u00fcssigen Isolator mit der Wirkung, da\u00df der Werth der Capacit\u00e4t des Kondensators je nach der relativen Lage in Bezug auf die gegenseitige Deckung und den Abstand der drehbar vereinigten Platten (a) zu den feststehenden (b) ge\u00e4ndert werden kann (Fig. 1).\u201c<\/p>\n<p>Diese Beschreibung entspricht also grunds\u00e4tzlich dem, was man seit \u00fcber hundert Jahren als Drehkondensator bezeichnet hat \u2013 allerdings mit der Ausnahme des \u201efl\u00fcssigen Isolators\u201c. Dieser war n\u00e4mlich notwendig, weil Desider Korda eine Anwendung hatte, die hohe Spannungsfestigkeit und gro\u00dfe Kapazit\u00e4tswerte erforderte. Der zweite Anspruch seiner Patenschrift bezieht sich n\u00e4mlich auf die \u201eAufhebung der Selbstinduction\u201c. Wie man aus den Zeichnungen zur Patentschrift entnehmen kann, handelt es sich \u2013 wie man heute sagen w\u00fcrde \u2013 um ein Verfahren der automatischen Blindstromkompensation mit Hilfe eines von einem Servo angetriebenen Drehkondensators.<\/p>\n<p><strong>Koepsel und die Drahtlose Telegrafie<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_76\" style=\"width: 205px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.vonbechen.de\/Peter\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/BILD2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-76\" class=\"size-medium wp-image-76\" alt=\"Bild 2. Dr. Adolf Koepsel (1856 bis 1933) (Bild: Siemens-Archiv)\" src=\"http:\/\/www.vonbechen.de\/Peter\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/BILD2-195x300.jpg\" width=\"195\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.vonbechen.de\/Peter\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/BILD2-195x300.jpg 195w, http:\/\/www.vonbechen.de\/Peter\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/BILD2-667x1024.jpg 667w, http:\/\/www.vonbechen.de\/Peter\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/BILD2.jpg 1290w\" sizes=\"auto, (max-width: 195px) 100vw, 195px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-76\" class=\"wp-caption-text\">Bild 2. Dr. Adolf Koepsel (1856 bis 1933) (Bild: Siemens-Archiv)<\/p><\/div>\n<p>Adolf Koepsel (1856 \u2013 1933) (Bild 2), Sch\u00fcler von Hermann von Helmholtz und promovierter Physiker, trat nach seinem Studium 1885 in das Privatlaboratorium von Wilhelm von Siemens (Sohn von Werner von Siemens) ein. 1894 konstruierte er den nach ihm benannten Apparat zur Bestimmung magnetischer Eigenschaften verschiedener Eisensorten. 1899 verlie\u00df Koepsel das Charlottenburger Werk von Siemens &amp; Halske, um Direktor des von Siemens errichteten Elektrizit\u00e4tswerkes in Langethal\/Schweiz zu werden. Es handelte sich bei diesem Projekt, f\u00fcr das Koepsel seit 1895 arbeitete, um das erste gr\u00f6\u00dfere Hochspannungs-Drehstrom-Wasserkraftwerk.<\/p>\n<p>Anl\u00e4sslich einer Besichtigung dieses Werkes wurde Koepsel von Wilhelm von Siemens gefragt, ob er nicht Lust h\u00e4tte, sich an den Arbeiten auf dem Gebiet der Drahtlosen Telegrafie zu beteiligen. Er \u00fcberlegte nicht lange und ging schon 1900 wieder zur\u00fcck nach Berlin. Grund war offensichtlich nicht nur die Sehnsucht nach der Gro\u00dfstadt Berlin, die Koepsel in der schweizerischen Kleinstadt sehr vermisste, sondern auch sein unerm\u00fcdlicher Forschungsdrang, den er als Direktor eines Elektrizit\u00e4tswerkes offensichtlich in keiner Weise befriedigen konnte.<\/p>\n<p>Im Privatlaboratorium von Wilhelm von Siemens auf dem Rittergut in Biesdorf bei Berlin war es seine Aufgabe, aus den f\u00fcr das Laboratorium entwickelten Ger\u00e4ten praxistaugliche Apparate zu konstruieren. Mit diesen Sende- und Empfangsger\u00e4ten f\u00fchrte man damals \u00dcbertragungsversuche durch, um die Reichweite zu ermitteln. Eine Vergr\u00f6\u00dferung der Reichweite der drahtlosen \u00dcbertragung um den Faktor zehn erreichte Koepsel, indem er den Empf\u00e4nger empfindlicher machte. Er ersetzte den damals \u00fcblichen Coh\u00e4rer durch eine Anordnung, bei der eine Graphitspitze auf eine polierte Stahlplatte gedr\u00fcckt wird.<\/p>\n<p>Funktelegrafieger\u00e4te arbeiteten vor hundert Jahren mit offenen Schwingkreisen, bei denen das Resonanzsystem aus der Eigeninduktivit\u00e4t und -kapazit\u00e4t des jeweiligen Strahlers (Antenne) besteht. Weil die Induktivit\u00e4ts- und Kapazit\u00e4tswerte sehr stark von den r\u00e4umlichen Gegebenheiten abh\u00e4ngen, lag die Eigenresonanz der damals verwendeten Sender und Empf\u00e4nger nicht immer auf gleicher Frequenz. Mit solchen \u201ebreitbandigen\u201c \u00dcbertragungsverfahren lie\u00dfen sich nur geringe Reichweiten erreichen. Die Idee zur Abstimmung von Sender und Empf\u00e4nger auf eine gemeinsame Frequenz gab es damals bereits: Oliver Lodge (1889) und Ferdinand Braun (1899) wurden dazu Patente erteilt. Auch Guglielmo Marconi erkannte die Bedeutung der Sender-\/Empf\u00e4nger-Abstimmung. Er meldete die Idee beim Britischen Patentamt an. Am 20. April 1900 wurde ihm das Patent unter der Nr. 7777 erteilt [3].<\/p>\n<p>Gegen Ende des Jahres 1900 wandte sich Prof. Braun mit dem Wunsch an Wilhelm von Siemens, seine mit geschlossenen, abgestimmten Schwingkreisen gemachten Versuche fortzusetzen. Koepsel wurde beauftragt, die Resultate Brauns zu \u00fcberpr\u00fcfen.<\/p>\n<p><strong>Der geschlossene Schwingkreis wird eingef\u00fchrt<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_78\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.vonbechen.de\/Peter\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/BILD3.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-78\" class=\"size-medium wp-image-78\" alt=\"Bild 3. Adolf K\u00f6psel, Ferdinand Braun und Jonathan Zenneck bei Versuchen zur Funkbr\u00fccke Cuxhaven \u2013 Helgoland am 24. September 1900. Bild: Wikipedia\" src=\"http:\/\/www.vonbechen.de\/Peter\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/BILD3-300x200.jpg\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"http:\/\/www.vonbechen.de\/Peter\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/BILD3-300x200.jpg 300w, http:\/\/www.vonbechen.de\/Peter\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/BILD3-449x300.jpg 449w, http:\/\/www.vonbechen.de\/Peter\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/BILD3.jpg 631w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-78\" class=\"wp-caption-text\">Bild 3. Adolf K\u00f6psel, Ferdinand Braun und Jonathan Zenneck bei Versuchen zur Funkbr\u00fccke Cuxhaven \u2013 Helgoland am 24. September 1900. Bild: Wikipedia<\/p><\/div>\n<p>Dazu fuhr Koepsel nach Cuxhaven, wo sich die Versuchsstation Brauns befand (Bild 3). \u201eHier war alles \u00e4u\u00dferst primitiv und ohne jeglichen praktischen Wert\u201c, so der kurze und knappe Kommentar Koepsels zu den Braunschen Apparaten [4]. Entt\u00e4uschend war die Reichweite: \u201eDamit konnten lediglich nur in einem Umkreise von einem Kilometer Zeichen empfangen werden, was so gut wie gar nichts bedeutete.\u201c<\/p>\n<p>Trotz des negativen Eindruckes riet er anschlie\u00dfend Wilhelm von Siemens, das Braunsche Prinzip f\u00fcr seine Apparate zu \u00fcbernehmen und damit zu experimentieren. \u201eNach meiner Meinung war das Prinzip des geschlossenen Schwingungskreises sehr gut, aber von Braun und seinen Assistenten nicht richtig gehandhabt worden.\u201c Im M\u00e4rz 1901 begann Koepsel mit den Arbeiten an Apparaten mit den Schaltungen von Braun. Schon im Juli konnte er damit eine regelm\u00e4\u00dfige Verbindung zur 60 km entfernten Insel Helgoland herstellen.<\/p>\n<p><strong>Koepsel \u201eerfindet\u201c den Drehkondensator<\/strong><\/p>\n<p>Ende 1901 wurde die \u201eGesellschaft f\u00fcr drahtlose Telegraphie, System Prof. Braun und Siemens &amp; Halske\u201c (oder kurz \u201eBraun-Siemens-Gesellschaft\u201c) gegr\u00fcndet. Bei dieser Siemens-Tochtergesellschaft handelte es sich bekanntlich um den Vorl\u00e4ufer der Firma Telefunken (die Telegrammadresse der Gesellschaft f\u00fcr drahtlose Telegraphie lautete damals bereits \u201eTelefunken\u201c). Auf Vorschlag von Wilhelm von Siemens wurde Adolf Koepsel die wissenschaftliche Leitung \u00fcbertragen.<\/p>\n<p>In einer pers\u00f6nlichen Mitteilung berichtet Wilhelm Siegel [5], der Anfang 1902 vor seinem Studium bei der Braun-Siemens-Gesellschaft als Mechaniker arbeitete, von der vermeintlichen Erfindung des Drehkondensators in dem dortigen Labor. Man kann aus dieser Aussage schlie\u00dfen, dass Koepsels Mitarbeiter zu diesem Zeitpunkt Kordas Patent nicht kannte. Siegel: \u201eEs d\u00fcrfte nicht allgemein bekannt sein, da\u00df der Drehkondensator eine Erfindung des Hauses Siemens ist. Der Erfinder war der bekannte Herr Dr. Koepsel, der Anfang 1902 als Leiter des Labors der ,Gesellschaft f\u00fcr drahtlose Telegraphie, System Prof. Braun und Siemens &amp; Halske\u00b4 die Konstruktion herausbrachte und auch die konstruktive Entwicklung weiterf\u00fchrte&#8230;\u201c<\/p>\n<p>Er f\u00e4hrt fort: \u201eWie bei allen Neukonstruktionen war die Entwicklung bis zur endg\u00fcltigen Ausf\u00fchrung des Drehkondensators ein langer Weg; es galt das geeignete Material f\u00fcr die Plattens\u00e4tze zu erfinden, harte oder gegl\u00fchte Messingplatten, Zinkplatten, Aluminiumplatten. Zu beachten ist, da\u00df der Durchmesser der Platten damals erheblich gr\u00f6\u00dfer war als heute. Es galt au\u00dferdem eine g\u00fcnstige Lagerung f\u00fcr den beweglichen Teil zu finden, Abdichtung bei \u00d6lkondensatoren etc. etc&#8230;.\u201c<\/p>\n<p>Koepsel selbst beschreibt 1931 die Arbeiten am Drehkondensator in einem Interview [4], ohne allerdings einen exakten Zeitraum anzugeben (er selbst spricht in dem Zusammenhang \u00fcbrigens nie von \u201eErfindung\u201c): \u201eNoch w\u00e4hrend meiner T\u00e4tigkeit bei Siemens hatte ich die Grundlage f\u00fcr den heute \u00fcberall verwandten Drehkondensator gelegt. Ich sagte mir n\u00e4mlich bereits bei den allerersten Versuchen, da\u00df zwar ein geschlossener Schwingungskreis immense M\u00f6glichkeiten in sich birgt, da\u00df aber die Wellenl\u00e4nge vorausbestimmt werden und au\u00dferdem noch kontinuierlich ver\u00e4nderlich sein m\u00fcsse.<\/p>\n<p>Um dies zu erreichen, gab es aber nur zwei Wege, und zwar entweder die Kapazit\u00e4t oder die Selbstinduktion ver\u00e4nderlich zu gestalten. Ich entschied mich f\u00fcr den ersteren Fall, da die Kapazit\u00e4t von zwei, teils mehr, teils weniger entfernten Metallplatten abh\u00e4ngt. Nat\u00fcrlich spielte in diesem Falle die Gr\u00f6\u00dfe der Platten eine Rolle, und um Raum zu sparen, ordnete ich die Platten eben dergestalt an, in dem ich zwei Halbkreise schuf, die sich gegeneinander verschieben, wodurch eine vollkommene Kontinuierlichkeit erreicht wird. So entstand der Drehkondensator, der heute eines der unentbehrlichsten Teile sowohl bei Sendung als auch bei Empfang ist.\u201c<\/p>\n<p>Die theoretischen Grundlagen \u00fcber Resonanzeffekte in geschlossenen und offenen Schwingkreisen bei ged\u00e4mpften Schwingungen, wie sie von Funkenstrecken erzeugt werden, lieferte Koepsel 1903 in einem ausf\u00fchrlichen Beitrag nach [7]. Hierbei bezog er sich auf eine fr\u00fchere Arbeit von Max Wien. Die Problematik besteht darin, dass die elektrischen Vorg\u00e4nge in der Funkenstrecke recht komplex sind und seinerzeit offenbar nicht reproduzierbar waren. Dadurch traten undefinierbare Resonanzerscheinungen auf.<\/p>\n<p><strong>Der angeblich \u201eerste&#8220; Drehkondensator<\/strong><\/p>\n<p>In der Notiz in der Funk-Technik [1] wird erw\u00e4hnt, dass ich der (angeblich) erste Drehkondensator von 1901 im Deutschen Museum, M\u00fcnchen, befindet. Tats\u00e4chlich gibt es dieses Exponat dort heute noch, allerdings nicht in der Ausstellung, sondern im Depot. Der Drehkondensator hat die mehr als 100 Jahre erstaunlich gut und unbesch\u00e4digt \u00fcberstanden (Bild 4). Das Exemplar tr\u00e4gt auf der Skala die Aufschrift \u201eSiemens &amp; Halske\u201c und ist laut einem angeh\u00e4ngten Etikett auf 1901 datiert. Nach den vorliegenden Informationen handelt es sich offensichtlich nicht um den historisch \u201eersten&#8220; Drehkondensator, sondern lediglich um eines von vielen Versuchsmodellen, die bei Koepsels Experimenten Verwendung fanden. Es gab im Labor der Braun-Siemens-Gesellschaft sicherlich au\u00dfer diesem Exemplar noch mehr Ausf\u00fchrungen, denn Siegel deutet in [5] an, dass man \u00fcber l\u00e4ngere Zeit verschiedene Materialien und konstruktive M\u00f6glichkeiten erprobte. Sicher ist eigentlich nur, dass dieses Museumsst\u00fcck 1901 bei Siemens gebaut worden ist.<\/p>\n<div id=\"attachment_69\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.vonbechen.de\/Peter\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/BILD4.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-69\" class=\"size-medium wp-image-69\" alt=\"Bild 4. Der angeblich \u201eerste\u201c Drehkondensator von Koepsel im Deutschen Museum ist offensichtlich ein er von vielen Exemplaren, die 1901\/1902 bei Siemens zu Experimentierzwecken gebaut wurden. Bild: Peter von Bechen\" src=\"http:\/\/www.vonbechen.de\/Peter\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/BILD4-300x271.jpg\" width=\"300\" height=\"271\" srcset=\"http:\/\/www.vonbechen.de\/Peter\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/BILD4-300x271.jpg 300w, http:\/\/www.vonbechen.de\/Peter\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/BILD4-1024x927.jpg 1024w, http:\/\/www.vonbechen.de\/Peter\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/BILD4-331x300.jpg 331w, http:\/\/www.vonbechen.de\/Peter\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/BILD4.jpg 1494w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-69\" class=\"wp-caption-text\">Bild 4. Der angeblich \u201eerste\u201c Drehkondensator von Koepsel im Deutschen Museum ist offensichtlich ein er von vielen Exemplaren, die 1901\/1902 bei Siemens zu Experimentierzwecken gebaut wurden. Bild: Peter von Bechen<\/p><\/div>\n<p>Der stattliche Drehkondensator befindet sich in einer runden Metalldose mit Glasdeckel. Die Statoren und der Rotoren sind aus Messingplatten mit knapp 20 cm Durchmesser (Bild 5) in der f\u00fcr diese Zeit \u00fcblichen Feinmechaniker-Qualit\u00e4t zusammengebaut. Aufbau und Ausf\u00fchrung verraten eindeutige \u00c4hnlichkeiten mit der Konstruktion der Marconi-Gesellschaft, wie sie in [6] beschrieben ist.<\/p>\n<div id=\"attachment_70\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.vonbechen.de\/Peter\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/BILD5.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-70\" class=\"size-medium wp-image-70\" alt=\"Bild 5. Das \u201eInnenleben\u201c des im Deutschen Museum befindlichen Siemens-Drehkondensators entspricht weitgehend der Marconi-Konstruktion. Bild: Peter von Bechen\" src=\"http:\/\/www.vonbechen.de\/Peter\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/BILD5-300x262.jpg\" width=\"300\" height=\"262\" srcset=\"http:\/\/www.vonbechen.de\/Peter\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/BILD5-300x262.jpg 300w, http:\/\/www.vonbechen.de\/Peter\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/BILD5-1024x894.jpg 1024w, http:\/\/www.vonbechen.de\/Peter\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/BILD5-343x300.jpg 343w, http:\/\/www.vonbechen.de\/Peter\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/BILD5.jpg 1031w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-70\" class=\"wp-caption-text\">Bild 5. Das \u201eInnenleben\u201c des im Deutschen Museum befindlichen Siemens-Drehkondensators entspricht weitgehend der Marconi-Konstruktion. Bild: Peter von Bechen<\/p><\/div>\n<p>Um in des Volumen der Dose eine m\u00f6glichst gro\u00dfe Endkapazit\u00e4t unterbringen zu k\u00f6nnen, hat man jeweils eines der zwei Stator-Pakete mit einem der zwei Rotor-Pakete zusammengeschaltet (Bild 6: Stator a1 mit Rotor b1 und Stator a2 mit Rotor b2). In der Nullstellung liegen sich die elektrisch verbundenen Bel\u00e4ge gegen\u00fcber, womit sich die geringste Kapazit\u00e4t ergibt. Bei 180 Grad Drehung tauchen die Rotorplatten jeweils vollst\u00e4ndig in das entgegengesetzte Statorplattenpaket ein. Die dann erreichte maximale Kapazit\u00e4t d\u00fcrfte bei dieser Plattengr\u00f6\u00dfe und -anzahl (2 x 12 Rotor- und 2 x 13 Statorplatten) einige zehn Nanofarad betragen. Wenn das Geh\u00e4use mit Isolier\u00f6l mit hoher Dielektrizit\u00e4tskonstante gef\u00fcllt ist, wird die Kapazit\u00e4t noch gr\u00f6\u00dfer sein. Bei den gro\u00dfen Wellenl\u00e4ngen, mit denen man damals experimentierte, waren diese Kapazit\u00e4tswerte erforderlich.<\/p>\n<div id=\"attachment_71\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.vonbechen.de\/Peter\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/BILD6.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-71\" class=\"size-medium wp-image-71\" alt=\"Bild 6. Prinzip des Drehkondensators, der von der Marconi-Gesellschaft konstruiert wurde [6].\" src=\"http:\/\/www.vonbechen.de\/Peter\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/BILD6-300x253.jpg\" width=\"300\" height=\"253\" srcset=\"http:\/\/www.vonbechen.de\/Peter\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/BILD6-300x253.jpg 300w, http:\/\/www.vonbechen.de\/Peter\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/BILD6-354x300.jpg 354w, http:\/\/www.vonbechen.de\/Peter\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/BILD6.jpg 434w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-71\" class=\"wp-caption-text\">Bild 6. Prinzip des Drehkondensators, der von der Marconi-Gesellschaft konstruiert wurde [6].<\/p><\/div>\n<p>Daf\u00fcr, dass es sich bei dem Museumsst\u00fcck nicht um einen Koepsel-Drehkondensator handelt, spricht, dass Koepsel mit jeweils einem halbkreisf\u00f6rmigen Stator- und Rotorpaket arbeitete. Die in Bild 7 gezeigte Konstruktionszeichnung eines halbkreisf\u00f6rmigen Drehkondensators (wie er sp\u00e4ter in der Funktechnik \u00fcblich war) findet sich in einer Ver\u00f6ffentlichung Koepsels aus dem Jahre 1904 [7].<\/p>\n<p><div id=\"attachment_72\" style=\"width: 222px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.vonbechen.de\/Peter\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/BILD7.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-72\" class=\"size-medium wp-image-72\" alt=\"Bild 7. Konstruktionszeichnung des Koepsel-Drehkondensators aus einer Ver\u00f6ffentlichung von 1904 [7].\" src=\"http:\/\/www.vonbechen.de\/Peter\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/BILD7-212x300.jpg\" width=\"212\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.vonbechen.de\/Peter\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/BILD7-212x300.jpg 212w, http:\/\/www.vonbechen.de\/Peter\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/BILD7.jpg 496w\" sizes=\"auto, (max-width: 212px) 100vw, 212px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-72\" class=\"wp-caption-text\">Bild 7. Konstruktionszeichnung des Koepsel-Drehkondensators aus einer Ver\u00f6ffentlichung von 1904 [7].<\/p><\/div><strong>Anwendung im Wellenmesser<\/strong><\/p>\n<p>\u00dcber die Anwendung von Drehkondensatoren in den geschlossenen Schwingkreisen der fr\u00fchen Braunschen Funktelegrafieapparate liegen dem Autor leider keine konkreten Unterlagen vor. Vieles deutet aber darauf hin, dass Koepsel diese zun\u00e4chst in Ger\u00e4ten zur Frequenzmessung benutzte, bevor sie sowohl auf Sender- als auch Empf\u00e4ngerseite eingef\u00fchrt wurden. Aber schlie\u00dflich ist ein \u201eWellenmesser\u201c prinzipiell auch nichts anderes als ein Empfangsger\u00e4t. In der Ver\u00f6ffentlichung [8] \u00fcber einen von ihm mit dem Drehkondensator konstruierten Wellenmesser bemerkt Koepsel: \u201eDer beschriebene Apparat kann auch in sehr einfacher Weise dazu diesen, die Wellenl\u00e4nge irgendeines Schwingungskreises zu bestimmen.\u201c \u00dcber die praktischen Erfahrungen berichtet er: \u201eEin solches Instrument kann, als transportables Instrument konstruiert, bei der Abstimmung vorz\u00fcgliche Dienste leisten, wovon ich mich bei Versuchen mit der \u00f6sterreichischen Marine in Pola im Sommer 1902 zu \u00fcberzeugen in der Lage war.\u201c<\/p>\n<p>Anwendung fand der Koepselsche Drehkondensator nachweislich in dem bekannten Franke-D\u00f6nitzschen Wellenmesser von 1903 [9], [10], der bei der Braun-Siemens-Gesellschaft entwickelt wurde. Der zeitliche Zusammenhang mit den Versuchen Koepsels ist offensichtlich, denn Johannes D\u00f6nitz gibt in einer Fu\u00dfnote in seinem Artikel [9] den Hinweis: \u201eDie Versuche wurden im September 1902 begonnen und im Januar 1903 beendet. \u2013 Die Unterlagen f\u00fcr die Konstruktion des Wellenmessers lagen bereits Anfang Oktober 1902 vor.\u201c Ein Abschnitt und eine weitere Fu\u00dfnote stellt die Verbindung zu Koepsel her: \u201eDer Kondensator ist ein regulierbarer Plattenkondensator, welcher sich zwecks bester Isolation den hohen Spannungen gegen\u00fcber und zur Erh\u00f6hung der Dielectricit\u00e4tskonstanten in einem mit Paraffin\u00f6l gef\u00fcllten Beh\u00e4lter befindet.\u201c Fu\u00dfnote: \u201eDie ersten Angaben dieses Kondensators, wenn auch in anderer Ausf\u00fchrung, stammen von Dr. Koepsel.\u201c Bild 8 zeigt die Konstruktionszeichnung des Wellenmessers (ein Foto findet sich in [10]).<\/p>\n<p><div id=\"attachment_73\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.vonbechen.de\/Peter\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/BILD8.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-73\" class=\"size-medium wp-image-73\" alt=\"Bild 8. Der Franke-D\u00f6nitzsche Wellenmesser von 1903, Konstruktionszeichnung aus [9].\" src=\"http:\/\/www.vonbechen.de\/Peter\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/BILD8-300x276.jpg\" width=\"300\" height=\"276\" srcset=\"http:\/\/www.vonbechen.de\/Peter\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/BILD8-300x276.jpg 300w, http:\/\/www.vonbechen.de\/Peter\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/BILD8-1024x945.jpg 1024w, http:\/\/www.vonbechen.de\/Peter\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/BILD8.jpg 1496w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-73\" class=\"wp-caption-text\">Bild 8. Der Franke-D\u00f6nitzsche Wellenmesser von 1903, Konstruktionszeichnung aus [9].<\/p><\/div><strong>Kompetenzschwierigkeiten mit Arco und Slaby<\/strong><\/p>\n<p>1903 wird die Braun-Siemens-Gesellschaft mit dem Radiotechnischen Laboratorium der A.E.G. zur \u201eGesellschaft f\u00fcr Drahtlose Telegraphie\u201c oder kurz \u201eTelefunken\u201c zusammengelegt. Georg Graf Arco und Adolf Slaby waren die f\u00fchrenden K\u00f6pfe der radiotechnischen Entwicklung bei der A.E.G. Koepsel berichtet in seinem Interview [4], wie er die Fusion erlebt hat: \u201eAllerdings waren wir seinerzeit nicht die Einzigen, die sich mit der drahtlosen Telegraphie besch\u00e4ftigten. Auch Slaby und Arco, die \u00fcbrigens zusammen arbeiteten, hatten bereits sehr g\u00fcnstige Resultate erzielt.<\/p>\n<p>Es dauerte nicht lange, und Slaby-Arco auf der einen und Siemens-Braun auf der anderen Seite schlossen sich zusammen und gr\u00fcndeten die weltbekannte Firma ,Telefunken\u00b4. Infolge Kompetenzstreitigkeiten lie\u00df ich die drahtlose Technik links liegen und widmete mich den Fernme\u00dfapparaten&#8230;\u201c<\/p>\n<p>Trotzdem lie\u00df ihn der Gedanke an die Weiterentwicklung des Drehkondensators nicht mehr los. Das Interview anl\u00e4sslich seines 75. Geburtstages (zwei Jahre vor seinem Tod) [4] beendet er mit folgender Bemerkung: \u201eIch habe mich, das m\u00f6chte ich als Abschlu\u00df noch erw\u00e4hnen, schon sehr oft mit der Frage besch\u00e4ftigt, ob auch vielleicht eine andere Form f\u00fcr den Kondensator besser und vor allen Dingen geeigneter w\u00e4re. Ich habe aber nichts finden k\u00f6nnen, ausgenommen eine Anordnung, bei der die Platten nicht \u00fcbereinander liegen, sondern keilf\u00f6rmig angeordnet sind und jetzt gegeneinander verschoben werden. Aber dies bedingt ganz neue Voraussetzungen und Verwendungsm\u00f6glichkeiten, die noch nicht gegeben sind.\u201c Heute wissen wir, dass die Grundideen der V\u00e4ter des Drehkondensators so gut waren, dass es in den vergangenen mehr als 100 Jahren eigentlich nichts mehr zu verbessern gab.<\/p>\n<p><strong>Legenden leben lange<\/strong><\/p>\n<p>Dass Dr. Adolf Koepsel gar nicht der \u201eErfinder des Drehkondensators\u201c war, d\u00fcrfte er selbst wohl gewusst haben und den meisten Beteiligten seinerzeit sicher klar gewesen sein. Die damalige Tages- und Fachpresse hat die Legende m\u00f6glicherweise wider besseren Wissens lanciert. Es ist davon auszugehen, dass man bei Siemens das damals bereits zehn Jahre alte Patent kannte. Sp\u00e4testens, wenn Koepsel versucht h\u00e4tte, sich die Patentrechte zu sichern, w\u00e4re Kordas Patent zum Vorschein gekommen. Offensichtlich hatten weder Dr. Koepsel noch Siemens seinerzeit Interesse daran, die wahren Zusammenh\u00e4nge darzustellen. \u00dcber die Gr\u00fcnde kann man nur spekulieren.<\/p>\n<p><em>An dieser Stelle mein herzlicher Dank an das Deutsche Museum, das den Zugang zum Siemens-Drehkondensator m\u00f6glich machte, an das Siemens-Archiv, das den Einblick in bisher unver\u00f6ffentlichte Unterlagen in der Personalakte Koepsels erlaubte, und schlie\u00dflich an Dr. Herbert B\u00f6rner f\u00fcr seine erg\u00e4nzenden Hinweise zum Marconi-Drehkondensator.<\/em><\/p>\n<p><strong>Literatur:<\/strong><\/p>\n<p>[1] o. Verfasser: 50 Jahre Drehkondensator. Funk-Technik 1951, Nr. 8, Seite 209<\/p>\n<p>[2] o. Verfasser: Patentschrift Nr. 72447 vom 8. Juni 1892. Kaiserliches Patentamt, Berlin<\/p>\n<p>[3] B\u00f6rner, H.: Ich mu\u00df die Welt zum Laboratorium haben. FUNKGESCHICHTE 118 (1998), S. 55 \u2013 66.<\/p>\n<p>[4] o. Verfasser: Ein Forscher erz\u00e4hlt. Dr. Koepsel, der Erfinder des Drehkondensators, 75 Jahre alt. Tageszeitung \u201cBerlin am Morgen\u201d vom 26. M\u00e4rz 1931, Seite 8.<\/p>\n<p>[5] Siegel, W.: Pers\u00f6nliche Mitteilung an die Redaktion der \u201eSiemens-Mitteilungen\u201c vom 25. Februar 1952.<\/p>\n<p>[6] Rein, H.: Lehrbuch der Drahtlosen Telegraphie, Berlin, Springer-Verlag, Seiten 18 \u2013 19.<\/p>\n<p>[7] Koepsel, Dr. A.: Bestimmung von Kapazit\u00e4t und Selbstinduktion vermittelst sehr schneller elektrischer Schwingungen. Dinglers Polytechnisches Journal, 85. Jahrgang (1904) Bd. 319, Heft 14, S. 209 \u2013 212.<\/p>\n<p>[8] Koepsel, Dr. A.: Ueber Resonanzschwierigkeiten bei der drahtlosen Telegraphie. Dinglers Polytechnisches Journal 84. Jahrgang (1903) Bd. 318, Heft 40, S. 625 &#8211; 627 und Heft 41, S. 645 \u2013 647.<\/p>\n<p>[9] D\u00f6nitz, J.: Der Wellenmesser und seine Anwendung. Elektrotechnische Zeitschrift 1903, Heft 45, S. 920 \u2013 925<\/p>\n<p>[10] B\u00f6rner, H.: Heinrich-Herz-Medallie ausgegraben. FUNKGESCHICHTE 123 (2000), S. 282 \u2013 284.<\/p>\n<p><strong>Autor: Peter von Bechen<\/strong><\/p>\n<p>Dieser Beitrag wurde erstmals ver\u00f6ffentlicht in der Zeitschrift \u201eFunkgeschichte\u201c Nr. 142 (2002), Publikation der GFGF e. V. (<a href=\"http:\/\/www.gfgf.org\">www.gfgf.org<\/a>), Seiten 72 &#8211; 79. Diese Zeitschrift ist nur im Rahmen der GFGF-Mitgliedschaft zu beziehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Beitrag Dr. Adolf Koepsels zur Entwicklung der Funktechnik Beim Durchst\u00f6bern historischer Radioliteratur stie\u00df der Autor auf eine Notiz in der Funk-Technik 8\/1951 [1], die als Zeitpunkt f\u00fcr die Erfindung des Drehkondensators das Jahr 1901 nennt. 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