„Bergkamerad“ „Küchenfee“ und „Mimikry“

Die Geschichte der Firma MIRA

Die 1950er- und 1960er-Jahre waren das goldene Zeitalter der Radiobastler. Zahllose Firmen wie Arlt, Conrad, RIM, Holzinger und andere versorgten die Selbstbauer mit Teilen sowie Bausätzen. Heute existieren die meisten nicht mehr. Klein, aber fein waren die Radios und Bausätze des Nürbergers Konrad Sauerbeck. Die von ihm gegründete Firma „MIRA Elektronik“ existiert heute noch, und der Autor dieses Artikel hatte im Jahr 2005 die Gelegenheit, mit ihm über die frühen Jahre des Unternehmens zu sprechen.

Der gebürtige Franke Konrad Sauerbeck (16.02.1921 – 05.12.2015) interessierte sich schon von Jugend an für das damals noch neue Gebiet der Radiotechnik. „Ich war ein schlechter Schüler,“ gab er selbst zu. So kam es, dass er 1937 nach der 5. Klasse der Realschule eine Lehre bei der AEG im Bereich Schalttafelbau in Nürnberg begann. Sein Wunschtraum, in eine Radiowerkstatt zu kommen, erfüllte sich damals allerdings nicht. Auch der Traum vom Besuch der Berufsoberschule mit dem Ziel, das Abitur zu machen, war spätestens 1940 beendet, als er zum Militär eingezogen wurde. Weil Konrad Sauerbeck aktiver Segelflieger war, kam er zur Luftwaffe. Dort versah er seinen Dienst als Bordelektriker in einer der großen sechsmotorigen Maschinen der „Lufttransportstaffel See“ (Flugboote). „Dort waren fast alles ehemalige Lufthanseaten – prima Kerle!“ schwärmte er noch Jahre danach. Als die Flugzeuge bei einem feindlichen Luftangriff bei Biscarrosse südlich von Bordeaux auf dem Wasser zerstört worden waren – zum Glück ohne Menschenverluste – befürchtete er, dass die Einheit zum Erdeinsatz auseinander gerissen würde.

Bild 1. Konrad Sauerbeck (16.02.1921 – 05.12.2015) war auch im hohen Alter noch aktiv im Geschäft seines Sohnes tätig (Bild von 2005).


Sauerbeck schrieb nach Berlin, dass er zur Zeit nicht entsprechend seiner Fähigkeiten eingesetzt werde. Darauf wurde er nach Adlershof bei Berlin beordert, wo Ingenieure für die Funkmesstechnik (heute Radar) ausgebildet wurden. Nach einer kurzen Beurteilung seiner Eignung wurde er zur Ausbildung an Funkmessgeräten abgestellt. Nach Abschluss der Ausbildung kam er zunächst nach München und dann nach Memmingen, wo er zusammen mit zwei Mitarbeitern eine Prüf- und Reparaturstation für die damals neuartige Funkmesstechnik aufbaute. Die dafür erforderlichen Prüfgeräte konstruierte er teilweise selbst.

Traum vom eigenen Radiogeschäft
Während dieser Zeit baute er sich auch einen kleinen Empfänger mit drei RV12P2000, der speziell auf die LW- und MW-Frequenzen der Luftlagesendungen abgestimmt war. „So wusste ich schon immer ziemlich früh, wo Bombenangriffe zu erwarten waren.“ Es handelte sich um einen Einkreiser mit aperiodischer Vorstufe und NF-Endstufe. Das Gerät war für Netzbetrieb ausgelegt. Irgendwie schaffte es Sauerbeck, dieses kleine Radio auch über das Chaos der Kriegsendes und der kurzen Gefangenschaft bei den Amerikanern hinüber zu retten.
Im Sommer 1945 kam er zurück nach Nürnberg und fand dort wieder Arbeit bei der AEG, Abteilung Schalttafelbau. Allerdings träumte Sauerbeck von der Arbeit in einer Radiowerkstatt, möglichst der eigenen. Viele Radios waren nach dem Krieg reparaturbedürftig, und die Menschen in den tristen Trümmerwüsten deutscher Städte sehnten sich nach ein wenig Unterhaltung. Der Bedarf war groß, doch der Amtsschimmel stand seinem Ansinnen entgegen. Für ein eigenes Radiogeschäft mit Reparaturwerkstatt hätte er einen Meisterbrief gebraucht, aber sein im Krieg bei der Luftwaffe erworbener Titel als „Prüfmeister“ war in der Handwerksordnung als Beruf nicht vorgesehen.
Trotzdem: Sauerbeck begann Radios zu reparieren, zwar nicht im eigenen Geschäft, sondern als Dienstleistung für andere Radiogeschäfte, die ihre Arbeit damals kaum bewältigen konnten. Seine Erfahrungen, die er mit den viel komplizierteren Funkmessgeräten gesammelt hatte, waren dabei nützlich. Er hatte sich dabei eine systematische Arbeitsweise angeeignet, die schnell zum Ziel führte. „Ich habe sehr schnell repariert,“ berichtete Sauerbeck mit Stolz. „Das hat sich bei den Radiogeschäften, für die ich gearbeitet habe, bald herumgesprochen.“

Die eigene Radioproduktion

Bild 2. Funktioniert noch: Der „Bergkamerad“, den GFGF-Mitglied Frederico Biesele auf dem Flohmarkt in Basel gekauft hat. (Bild: F. Biesele)


Wie schon erwähnt, war nach dem Krieg der Bedarf an Radios sehr groß, die Nachfrage konnte kaum erfüllt werden. Die Besatzungsmächte erlaubten zunächst keine industrielle Radioproduktion. Wer konnte, baute sich deshalb sein Radio selbst. Max Grundig verkaufte seinen „Heinzelmann“ als Bausatz in großen Stückzahlen.

Bild 3. Blick ins Innere: Der rote Lack auf den Lötstellen zeigen, dass es sich um ein Fertiggerät handelt, das noch „unberührt“ ist. (Bild: F. Biesele)


Auch Konrad Sauerbeck dachte darüber nach, Radios zu konstruieren und produzieren. Schließlich war sein P2000-Radio eine solide Konstruktion, die sich auch unter rauen Bedingungen bewährt hatte. Doch bis zur eigenen Radioproduktion im Hause Sauerbeck sollten noch ein paar Jahre vergehen.

Bild 4. Hier sind die eingesetzten Batterien zu erkennen. (Bild aus [1])


Als passionierter Bergwanderer hatte Sauerbeck schon immer den Wunsch, ein kleines handliches Radiogerät auf seinen Touren mitzunehmen, das es erlaubt, unterwegs den aktuellen Wetterbericht abzuhören. Kofferradios waren damals noch groß und schwer und außerdem auf Berghütten nicht gern gesehen.

Bild 5. Liebe zum Detail: K. Sauerbeck lieferte präzise Konstruktionszeichnungen zu seinen Bauanleitungen (Bild aus [1])


Ein solch kleines Gerät gab es damals noch nicht. So machte sich Sauerbeck an die Entwicklung. Heraus kam ein Kopfhörer-Reflex-Empfänger mit zwei Miniaturröhren, nicht größer als die berühmte quadratische Schokoladentafel. An dem Gerät wurde eine Kopfhörermuschel angeschlossen. Die Empfangsleistung dieses Taschengerätes war erstaunlich gut, ein kleines Stück Draht als Antenne reichte aus, um klaren Empfang des lokalen MW-Senders zu gewährleisten (Bilder 2 – 6).

Bild 6. Erstaunlich empfindlich: Der Bergkamerad ist ein Reflex-Einkreiser mit Miniaturröhren. (Bild aus [1])

Marketing, aber wie?
Aber wie sollte Konrad Sauerbeck sein Taschenradio unter die Leute bringen? „Ich war damals ein guter Techniker, hatte aber von Marketing keine Ahnung,“ gesteht er heute. Hilfe kam von einem guten Freund des Hauses. „Er hat mir geraten, für das Gerät Werbung zu machen. Und er hatte auch gleich eine praktische Lösung.“ In Nürnberg war 1952 eine Erfindermesse. Sein Bekannter ging davon aus, dass dort auch Vertreter der Presse anwesend sein werden. „Denen mussten wir das Gerät vorstellen.“
Aber zunächst musste das Kind einen griffigen Namen haben. Die Ehefrau brachte ihn auf die richtige Idee: Wie schon erwähnt war Sauerbeck begeisterter Bergwanderer und deshalb natürlich Leser des damals populären Magazins „Bergkamerad“. Dieser Name passte natürlich auch hundertprozentig für sein Taschenradio, das wie ein Bergkamerad treuer und zuverlässiger Begleiter auf seinen Touren sein sollte. Und damit man wusste, dass es sich dabei nicht einen Menschen handelt, sondern um ein Radio, stellte man das Wort „Miniaturradio“ davor. Das wiederum wurde zu „MIRA“ zusammengefasst, und damit war gleichzeitig auch der zukünftige Firmenname kreiert, den das Sauerbecksche Unternehmen auch heute, nach über 60 Jahren, trägt.
Auf der Erfindermesse waren tatsächlich Journalisten, die nach spektakulären Ausstellungsstücken Ausschau hielten. So auch Fritz Kühne, seines Zeichens Funkschau-Redakteur, der vom „MIRA Bergkamerad „sofort begeistert war. Er sorgte dafür, dass Anfang 1953 in der populären Radiotechnik-Zeitschrift „Funkschau“ dieses Gerät in Form einer ausführlichen Bauanleitung vorgestellt wurde [1]. Auch andere Publikationen brachten mehr oder weniger lange Artikel vom „Bergkamerad“.

Bild 7. Werbeflyer für den „Bergkamerad“. (Bild anklicken, um die komplette Original-Bauanleitung zu öffnen!)


Das führte zu einer schnellen Nachfragebelebung. „Ich habe dann die Fertigung der Teile und der Geräte mit Hilfe von Studenten der hiesigen Ingenieurschule organisiert.“ Verkauft wurden nämlich nicht nur Bausätze (Preis inkl. Röhren, aber ohne Hörer und Batterien: 28,45 DM), sondern auch Fertiggeräte, die inkl. Hörer 44 DM kosteten. „Wir haben insgesamt mehr als 4.000 Stück verkauft,“ berichtete Sauerbeck nicht ohne Stolz. Bei den Fertiggeräten wurde auf die Lötstellen ein farbiger Lacktropfen gepinselt, damit man sie bei eventuellen Reklamationen von den Bausatzgeräten unterscheiden konnte (Bild 7).

Durchdachte Konstruktion
Bei der Funkschau-Bauanleitung des „Bergkamerad“ fällt die saubere, bis ins letzte Detail durchdachte Konstruktion auf, die in präzisen Zeichnungen dokumentiert ist. Hier machte sich die gründliche Ausbildung bemerkbar, die Sauerbeck beim AEG-Schalttafelbau mitbekommen hatte. Dass zu einem guten Gerät nicht nur die elektrische Schaltung, sondern auch die saubere mechanische Ausführung dazugehört, hatte er dort gelernt. Auch bei den späteren Sauerbeckschen Konstruktionen, die in den Zeitschriften „Funkschau“ und „Funk-Technik“ veröffentlicht wurden, ist dies der Fall.
Kurz nach der Beschreibung des „Bergkamerad“ erschien in der „Funkschau“ ein Artikel über den „Bergkamerad L“ [2]. Hierbei handelt es sich um ein Zusatzgerät, mit dem man aus dem Taschenempfänger ein vollständiges Kofferradio mit Lautsprecher machen konnte. Eine Batterie-Endröhre DL92 und eine klobige 75-Volt-Anodenbatterie sorgten für die notwendige Ausgangsleistung. Als Besonderheit besaß das Gerät eine ausziehbare Antenne, für die ein Stahl-Bandmaß hergenommen wurde. „Teleskopantennen gab es damals noch nicht,“ erklärte Sauerbeck.

Die „Küchenfee“
Zu den interessanten Sauerbeck-Geräten gehört zweifellos die ebenfalls in der „Funkschau“ beschriebene „Küchenfee“ [3] (Bilder 8, 9). Dieses Gerät ist ein netzbetriebener Einkreiser mit zwei Miniaturröhren, der an die Wand gehängt wird. Eine Begründung dieser ungewöhnlichen Bauform findet man in der Einleitung des Artikels: „In vielen Küchen bereitet die Aufstellung eines Radiogerätes infolge Platzmangels Schwierigkeiten.“ Die Verhältnisse in den Wohnungen der Nachkriegszeit waren einfach sehr beengt.

Bild 8. Die „Küchenfee“: Nicht die junge Dame rechts, sondern das Radio an der Wand! (Bild aus [3])


Das Gehäuse besteht aus lackierter Pappe. Auch diese Bauanleitung besticht durch seine in allen Details exakt dokumentierte Konstruktion. Wie viele dieser Geräte von den Kunden gebaut wurden, ist unbekannt, denn von der formschönen Küchenfee gab es weder einen Bausatz noch Fertiggeräte. Im Gegensatz zum Bergkamerad ist bisher in Sammlerkreisen noch keine Küchenfee gesichtet worden (falls doch irgendwo noch ein solches Gerät existiert, würde der Autor sich über eine kurze Nachricht freuen).

Bild 9. Schaltung der „Küchenfee“: Einkreiser mit Miniaturröhren. (Bild aus [3])

Immer kleiner…
Konrad Sauerbeck hatte immer neue Ideen. Als nächstes musste es ein Taschensuper sein Mitte 1954 beschrieb die Funkschau seinen „MIRA Mimikri“ (Bilder 10, 11) [4] (Dieser Begriff kommt aus dem Griechischen und bedeutet „der Nachahmung fähig“. In der Biologie bezeichnet man damit Lebewesen, die ihre Umwelt, insbesondere ihre Feinde, täuschen, um sich vor ihnen zu schützen.)

Bild 10. Klein, aber oho: Der „MIRA Mimikry“, ein Batterieröhren-Super. (Bild aus [4])


Das Gerät arbeitet mit vier Batterie-Miniaturröhren der D92er-Serie und entspricht im Großen und Ganzen der damals üblichen Standard-Schaltungstechnik. Als Besonderheit lässt sich auf der Rückseite des Gerätes ein gleich großes Gehäuse aufstecken, in dem sich das Netzteil befindet.

Bild 11. Schaltung des „MIRA Mimikry“. (Bild aus [4])


Ebenfalls 1954 erscheint in der Funk-Technik die Beschreibung des „Kleinstempfängers MIRA Piccolino“ [5] (Bild 12). Hierbei handelte es sich wieder um einen netzbetriebenen Einkreiser, in dem zwei Miniaturröhren vom Typ HF94 bzw. 12AU6 arbeiten. Das Besondere an diesem Gerät ist der Kristall-Lautsprecher KL75, der damals von der Firma Welas hergestellt wurde und beachtliche 11 DM im Einzelverkauf kostete. Dieser brachte lediglich 55 g auf die Wage und wog damit ein Bruchteil der bisher üblichen dynamischen Lautsprecher. Konstruktiv interessant ist, dass die Lautsprecherabdeckung als Drehknopf für die Senderwahl dient. Das Gerät kommt deshalb ohne aufwändige Mechanik für die Skala aus. So ließen sich Gehäuseabmessungen von unter 100 x 100 x 55 mm³ erreichen, was wohl die unterste Grenze für ein Radio mit Standard-Miniaturröhren ist. Sauerbeck machte hier seinem Firmennamen „MIRA – Miniaturradio“ volle Ehre.

Bild 12. „Kleinstempfänger MIRA Piccolino“. Den Sender wählt man durch Drehen der Lautsprecherabdeckung. (Bild aus [5])



Transistoren: Die Röhren-Ära geht zu Ende

Anfang der 1960er-Jahre kamen die ersten „bezahlbaren“ Transistoren auf den Markt. Sauerbeck war natürlich an den winzigen „Dreibeinern“ interessiert, denn damit lassen sich kleinere Radios als mit Röhren bauen. Zunächst versuchte er, den erfolgreichen Bergkamerad auf Transistoren umzustellen. Doch für die Reflexschaltung waren die damals erhältlichen Transistoren zunächst noch nicht geeignet.
Die seinerzeitigen Germaniumtransistoren wiesen in der Produktion weite Toleranzen in ihren elektrischen Werten auf, so dass bei den Herstellern in große Mengen Ausschuss anfiel, der nicht den in den Datenblättern vorgegebenen Spezifikationen entsprach. Solche Transistoren sind aber trotzdem durchaus brauchbar, man muss sich nur die Mühe machen, diese auszumessen und für den jeweiligen Verwendungszweck zu klassifizieren.

Bild 13. Die OX-Transistoren aus dem Hause MIRA. (Aus [7])


Konrad Sauerbeck konnte Anfang der 1960er-Jahre bei der Firma TeKaDe in Nürnberg große Mengen unspezifizierte Transistoren kaufen. „In Putzeimern habe ich die ins Geschäft geschleppt und dann ausgemessen,“ berichtete Sauerbeck. Die für gut befundenen Exemplare bekamen dann „ordentliche“ Typenbezeichnungen, z. B. war der „OX4005“ ein HF-Transistor ähnlich OC44, der „OX7005“ entsprach dem OC71 und der „OX7021“ war dem Kleinleistungstyp OC72 ähnlich. Auch eine eigene Diodentype hatte Sauerbeck im Programm: Die „AX105“ entsprach der bewährten OA81 (Bild 13).
Bei MIRA gab es in dieser Zeit ein Bastelheft, das Sauerbeck selbst produzierte. Es beschreibt Schaltungen vom Diodenradio ohne und mit ein-, zwei- oder mehrstufigen Transistorverstärkern für Ohrhörer oder Kleinlautsprecher, die in elfenbeinfarbenen Plastikgehäusen im Seifendosenformat eingebaut werden können.

Bild 14. MIRA-Radios jetzt mit Transistoren: der „RT47“. (Bild aus [6])


1963 erschien dann in der Funkschau die Beschreibung des Transistor-Taschenempfängers „RT47“ (Bild 14) [6]. Bei diesem Gerät funktionierte die Reflexschaltung (Bild 16), weil der Transistor, der HF und NF verstärken muss, die nötige Grenzfrequenz aufweist. Das leistungsfähige Gerät kommt mit nur drei Transistoren aus. Als zeitgemäße Konstruktion ist das Innenleben des RT47 auf einer gedruckten Schaltung aufgebaut (Bild 15).

Bild 15. Das Innenleben ist auf einer gedruckten Schaltung montiert. (Bild aus [6])

Bild 16. Das Transistorradio „RT47“ arbeitet mit drei Transistoren in Reflexschaltung. (Bild aus [6])

Möglichst klein: SMD-Technik
In den 1970er- und 198er-Jahren neigte sich das goldenen Zeitalter des Radiobastelns langesam dem Ende entgegen. Konrad Sauerbeck verlegte sich auf die Bauelemente-Distribution. Inzwischen kümmert sich sein Sohn, der Elektronikingenieur ist, um das Geschäft. MIRA Electronic hat sich auf oberflächenmontierbare Bauelemente spezialisiert und hat einen treuen Kundenstamm in der Industrie und bei Bildungseinrichtungen. „Miniaturradios machen wir keine mehr,“ sagte Konrad Sauerbeck, „aber das, was wir heute verkaufen, ist so klein wie möglich.“ Auch privat war er im hohen Alter noch von miniaturisierter Technik fasziniert. Eines seiner Hobbys war das Fotografieren. Er besaß deshalb auch eine winzige Digitalkamera, mit denen man fantastische Aufnahmen machen kann.

Was sonst noch bleibt
Nicht nur die Firma MIRA existiert noch, auch der legendäre „Bergkamerad“ ist nicht gänzlich in Vergessenheit geraten: Wenn auch Originalgeräte äußerst selten geworden sind (und deshalb auf den einschlägigen Versteigerungsplattformen Höchstpreise erzielen), sind sie in der Radiobastler-Gemeinde nicht in Vergessenheit geraten. So gibt es in der GFGF-Zeitschrift „Funkgeschichte“ Artikel über Nachbauten, die sich durchaus sehen (und hören) lassen können [8, 9].

Autor: Peter von Bechen
Der Beitrag wurde erstmals veröffentlicht in der Zeitschrift „Funkgeschichte“ Nr. 165 (2006), Publikation der GFGF e. V. (www.gfgf.org), Seiten 14 – 21. Diese Zeitschrift ist nur im Rahmen der GFGF-Mitgliedschaft zu beziehen.

Literatur:
[1] Sauerbeck, K.: Taschenempfänger Bergkamerad. Funkschau 1953, Heft 1, Seiten 9 und 10.
[2] Sauerbeck, K.: Bergkamerad L. Funkschau 1953, Heft 3, Seiten 45 und 46.
[3] Sauerbeck, K.: MIRA Küchenfee – Preiswerter Einkreiser in neuartiger Gehäuseform. Funkschau 1953, Heft 14, Seiten 253 und 254.
[4] Sauerbeck, K.: MIRA-Mimikry – Kleiner Taschensuper für Lautsprecherempfang. Funkschau 1954, Heft 11, Seiten 221 bis 224.
[5] Sauerbeck, K.: Kleinstempfänger „MIRA Piccolino“. Funk-Technik 1954, Heft 6, Seiten 156 und 157.
[6] Sutaner, H.: Transistor-Taschenempfänger RT 47 für Mittelwellen. Funkschau 1963, Heft 4, Seiten 101 und 102.
[7] Schwärzler, R.: Der Radio-Bastler. Ravensburger Reihe „Werk und Spiel“. Otto Meier Verlag Ravensburg.
[8] Böge, N.: „Bergkamerad“ fast wie vor 60 Jahren. Funkgeschichte H. 213 (2014), S. 35 – 39.
[9] Rasshofer, R.: „Bergkamerad P700 KW“. Funkgeschichte H. 219 (2015), S. 28 – 31.

So kam es zu diesem Beitrag
Der Autor dieses Beitrages erinnerte sich, dass er in den 1960er-Jahren Teile für „Seifendosenradios“ bei einer Firma „MIRA, Konrad Sauerbeck“ in Nürnberg bezogen hatte und dass er in „Funkschau“- und „Funk-Technik“-Ausgaben der 1950er-Jahre auch schon auf den Namen K. Sauerbeck als Verfasser von Radio-Bauanleitungen gestoßen war. Im Jahr 2005 ergab eine Recherche im Internet, dass es die Firma „MIRA“ unter der gleichen Adresse wie früher auch noch heute gibt (www.mira-electronic.de). Dort war zu erfahren, dass Konrad Sauerbeck, der inzwischen verstorben ist, damals noch aktiv war. Mit seinerzeit 84 Jahren „schaffte“ dieser sehr agile, alte Herr, dem man sein Alter nicht ansah, zusammen mit seinem Sohn bei der Firma „MIRA Elektronik“, dem Elektronik-Versand, der sich heute auf SMD-Bauelemente spezialisiert hat. Konrad Sauerbeck nahm sich 2005 die Zeit für ein Gespräch mit dem Autor, um seine Geschichte zu erzählen.

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